Die Greenline auf Zypern (Grenze)


Blick auf die türkische Seite im Norden ZypernsVölkerrechtlich gesehen ist Zypern ein einheitliches Land, praktisch jedoch ist es geteilt. Um die Hintergründe zu verstehen, muss man ein bisschen in der Geschichte zurückgehen.

Zypern war auf Grund seiner strategischen Lage im Schnittpunkt zwischen Asien, Afrika und Europa sowohl für die Großmächte im Vorderen Orient als auch die Kolonialmächte Europas interessant. 1878 berechtigte der Berliner Kongress Großbritannien zur Annexion Zyperns, das 1925 zur britischen Kolonie wurde. 1959 wurde Zypern durch Verträge, die England, Griechenland und die Türkei untereinander schlossen, in die Unabhängigkeit entlassen.

Die Probleme der Bevölkerungsgruppen untereinander waren damit allerdings nicht gelöst. 1960 versuchte Staatspräsident Makarios mit einer neuen Verfassung die Position der türkischen Minderheit zu schwächen, worauf es zu blutigen Auseinandersetzungen kam. Die konnten trotz Einsatz der UN-Truppen nur durch eine faktische Teilung des Landes beigelegt werden. Seitdem führt eine Demarkationslinie, die Greene Line, quer durch das Land und seine Hauptstadt Nikosia und trennt Zypern in einen türkischen Teil im Norden und einen griechischen im Süden. In der Folgezeit verließen viele Einwohner Zyperns ihre Heimat und wanderten in den jeweiligen Landesteil ihrer Volksgruppe ab. 1974 putschte das griechische Militärregime gegen Makarios und versuchte, Zypern an Griechenland anzuschließen. Türkische Truppen besetzten daraufhin den Nordteil des Landes. 1983 wurde die Türkische Republik Zypern gegründet, die aber de facto nur von der Türkei anerkannt wurde. Völkerrechtlich existiert sie nicht.

Die Green Line erinnert an die Berliner Mauer, auch wenn sie nicht als feste Anlage errichtet wurde. Das Bild täuscht, denn sie ist wesentlich tiefgreifender als der eiserne Vorhang. Praktisch existieren zwischen Norden und Süden keine wirtschaftlichen oder sozialen Beziehungen. Die Green Line wurde auch erst 2003 für die Zyprioten wieder durchlässig.

Anlässlich des EU-Beitritts Zyperns wurde der bislang letzte Versuch unternommen, den Norden und Süden des Landes wieder zu vereinen. Während die türkische Bevölkerung dem Plan zustimmte, der eine Förderation mit zwei gleichberechtigten Teilen vorsah, sprach sich die griechische Bevölkerung dagegen aus. Damit war der Versuch gescheitert.
Für den Reiseverkehr ergeben sich erhebliche Behinderungen. Die Green Line, die insgesamt eine Länge von 270 Kilometern aufweist, kann nur an einigen Stellen (derzeit sechs) überschritten werden, wovon nicht alle mit dem Auto (derzeit nur vier) passierbar sind. Wer mit dem Mietwagen in Zypern unterwegs ist, sollte beachten, dass nicht alle Anbieter einem Überfahren der Grenze zustimmen und eine gesonderte Versicherung abzuschließen ist. Man sollte auch immer daran denken, dass in der Nähe der Grenzlinie das Fotografieren untersagt ist. Außerdem gelten Zollbestimmungen für das Mitbringen von Waren bei Grenzüberschreitung. Gesehen haben sollte man sie trotzdem, schon um sich ein besseres Bild von den Verhältnissen im Land machen zu können.

Der Norden Zyperns

Während der Süden mit großen Städten und bevorzugten Touristenregionen aufwarten kann, ist der Norden Zyperns eher der ruhige und beschauliche Teil. Trotzdem sollte man sich nach Möglichkeit beide Landesteile ansehen.

Zahlreiche kleinere Ortschaften sind malerisch und idyllisch in die Landschaft eingebunden, die von Wäldern und der Landwirtschaft dominiert wird. Wer Ruhe und Beschaulichkeit sucht, ist hier bestens aufgehoben. Trotzdem hat auch Nordzypern einiges an Städten aufzuweisen. Eine besonders bezaubernde ist Yeni Erenkóy, die mit etwas über 4.000 Einwohnern eher zu den kleineren Städtchen gehört. Der Ort liegt auf einer Hochebene von Karpas, umgeben von den fruchtbaren Weiten mit Oliven-, Zitronen- und Orangenplantagen. Die Menschen sind Besuchern gegenüber sehr aufgeschlossen. Hier gibt es eine Reihe kleinerer Hotels, von denen die meisten als Familienbetrieb geführt werden. Dementsprechend gemütlich ist die Atmosphäre auch in den feinen Restaurants. Gern besucht wird hier der Malibu-Strand.

Städte in Nord-Zypern

Nicht weit entfernt liegt Iskele, das mit kleinen kulturellen Sehenswürdigkeiten aufwarten kann und dessen Reiz in der Natur liegt. Unweit des Ortes befindet sich mit der Kirche Agios Jakovos (des Heiligen Jakob) eine der kleinsten ihrer Art in Zypern. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert und beherbergt in ihrem Inneren Porzellankacheln. Ergänzt wird sie durch die im 12. Jahrhundert erbaute Panagia Theotókos (der Heiligen Gottesmutter). Wörtlich könnte man den Namen der Stadt Degirmenlik (griechisch: Kythra) mit “… wo sich die Mühlen befinden” übersetzen. Ein Hinweis darauf, dass in früheren Zeiten die Getreideherstellung in der Kleinstadt eine enorme Rolle gespielt hat. Heute lebt der Ort, der sich langgezogen über vier Kilometer in einem engen Tal etwa 15 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt eingebettet liegt, zunehmend vom Tourismus.

In der Nähe des höchsten Berges auf Zypern wiederum befindet sich Lapta im nördlichsten Inselteil. Diese Stadt ist schon wegen ihres geschichtlichen Alters besonders sehenswert, zumal davon ausgegangen wird, dass sie einer der ältesten und gleichzeitig ursprünglichsten Orte Zypern ist. Ihre landschaftliche Kulisse aus satten Hochebenen und grünen Tälern ist ebenfalls nicht ohne Reiz.

Einer der größten Orte Nordzyperns liegt in der Bucht von Morphou. Lefke war bereits im 16. Jahrhundert sehr dicht besiedelt und besitzt eine beschauliche und sehr gepflegte Altstadt. Der Ort ist unter den Zyprioten sehr beliebt. Zu einer der Attraktionen der Stadt gehören die Bauten aus dem Zeitalter König Georg V., die in der Atatürkstraße bewundert werden können.

Die Hafenstadt Famagusta erlebte nach der Unabhängigkeit Zyperns von den Briten ihren wirtschaftlichen Aufschwung. Besonders am südlichen Stadtrand entstand ein Touristenzentrum, das von allen Zyprioten gern genutzt wurde. Nach 1974 fiel die Stadt dem türkischen Norden zu und war für die griechischen Einwohner nicht mehr erreichbar. Heute ist sie der einzige Frachthafen Nordzyperns und gewinnt auch langsam wieder für den Tourismus an Bedeutung.

Im Mittelalter rangierte Famagusta hinsichtlich ihrer Bedeutung noch vor Nikosia. Über den Hafen, der lange Zeit der wichtigste in ganz Zypern war, wurde der Handel mit Nordafrika und Vorderasien abgewickelt. Das verhalf der Stadt zu Reichtum und Ansehen. Von den vielen Kirchen, die wohlhabende Adlige stifteten, sind heute noch 22 vorhanden, viele von ihnen allerdings nur als Ruinen. Zu den Basaren und Minaretten bilden sie heute einen reizvollen Kontrast.


 
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